Fragt man Musikliebhaber nach den bedeutendsten deutschen Komponisten des Barocks, fallen mit großer Sicherheit die Namen Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann und Heinrich Schütz. Kennern der deutschen Barockmusik wird in dieser Aufzählung vermutlich Johann Rosenmüller fehlen. Der Komponist galt bereits zu Lebzeiten als einer der wichtigsten Vertreter seiner Zunft, der für die geschickte Verquickung von italienischer Sinnlichkeit und »teutscher Gravität« gefeiert wurde. Lange Zeit war Rosenmüller ein heißer Kandidat für das Amt des Thomaskantors, bevor er wegen eines Skandals Leipzig fluchtartig verlassen musste. Für die Entwicklung der protestantischen Kirchenmusik gilt er trotz des jähen Endes seiner Karriere als wichtiges Bindeglied zwischen Schütz und Bach.Grund genug für die österreichische Sopranistin Miriam Feuersinger, sich in ihrem Konzert mit dem Werk des Komponisten zu beschäftigen, dessen Form des Geistlichen Konzerts großen Einfluss auf die protestantische Kirchenkantate nach 1700 hatte. Gemeinsam mit dem Geiger Cosimo Stawiarski und dem Gambenconsort Les Escapades hat sie ein Programm entworfen, das die Musik Rosenmüllers in ihren musikhistorischen Kontext stellt und dabei auch Schlaglichter auf weitere, zu Unrecht vergessene Zeitgenossen wirft.