Die 10 legendärsten Benefizkonzerte

Hilfe leisten für die Schwachen dieser Welt. Diese Idee steht hinter jedem Benefizkonzert. Der Erlös dieser Veranstaltung kommt selten den Musikern noch den Organisatoren zugute, sondern wird oft in seiner gesamten Höhe für einen guten Zweck gespendet. Dabei werden Gelder zumeist für bestimmte Projekte gesammelt. So wird häufig um Spenden für Menschen gebeten, die von Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Flächenbränden betroffen sind. Manchmal finden Benefizkonzerte aber auch statt, um ein größeres Bewusstsein für bestimmte Krankheiten wie Krebs und Aids zu schaffen oder um auf soziale Notlagen wie Hungersnöte aufmerksam zu machen. Die Auftritte von bekannten Musikern, Schauspielern und anderen Prominente bei diesen Konzerten ist unerlässlich, denn so werden auch die Zuschauer motiviert, sich bei den Spendenaktionen zu beteiligen. Vor allem im englischsprachigen Raum sind Benefizkonzerte extravagante charity events. Konzertticket.org hat dies als Anlass genommen einmal die 10 legendärsten Benefizkonzerte aller Zeiten aufzulisten:

1. Live Aid, 1985

Mit Live Aid rückte die Welt 1985 ein bisschen enger zusammen. Bob Geldorf und Midge Ure organisierten das Benefizkonzert, um Spenden zugunsten der Hungerhilfe für Äthopien zu sammeln. Am 13. Juli traten mehr als 160 Künstler und Bands parallel auf zwei Kontinenten – im Wembley-Stadion in London und im John-F.-Kennedy-Stadion in Philadelphia – auf. Das Spektakel dauerte mehr als 16 Stunden, dabei spielten auf britischer Seite unter anderem Queen, David Bowie und U2, während beispielsweise Bob Dylan, Mick Jagger, Black Sabbath und Duran Duran auf der amerikanischen Bühne standen. Denkwürdig sind nicht nur die mehr als 175 Millionen Euro, die das Benefizkonzert der afrikanischen Hungerhilfe einbrachten, auch einige unvergessliche Momente der Rockgeschichte wurden hier geschrieben: Der Auftritt von Queen und Freddy Mercury gilt bis heute als eine der besten Liveperformances überhaupt. Phil Collins war der einzige Musiker, der auf beiden Bühnen stand. Mit einer Concorde flog er nach seinem Auftritt im Wembley-Stadion nach Philadelphia, wo er mit Led Zeppelin und Eric Clapton spielte. Mehr als 1,9 Milliarden Menschen in 150 Ländern sahen die Übertragung, die zum ersten Mal in der Geschichte des Fernsehens von BBC, ABC und MTV gleichzeitig via Satellit übertragen wurde.

2. Freddie Mercury Tribute Concert, 1992

Dieses tribute concert war mehr als nur eine Verbeugung vor dem Leben und der Musik Freddie Mercurys. Es sollte auch das Bewusstsein für AIDS stärken, nachdem der Queen-Frontmann ein halbes Jahr zuvor an den Folgen dieser Krankheit gestorben war. Die drei übrigen Mitglieder von Queen, Brian May, Roger Tayler und John Deacon, organisierten am 20. April 1992 ein Benefiz-Konzert für ihren verstorbenen Sänger, mit dem sie Geld für die AIDS-Forschung sammeln wollten.

72.000 Zuschauer kamen im Londoner Wembley-Stadion zusammen, während mehr als 1 Milliarde Menschen weltweit das Spektakel im Radio und Fernsehen verfolgten. Im ersten Teil der Show traten Bands auf, die von Queen stark beeinflusst waren, wie Metallica, Extreme oder Guns N’Roses. Die verbliebenen Musiker von Queen spielten dann im zweiten Teil ihre Hits zusammen mit zahlreichen Gastmusikern wie Elton John, Davie Bowie, George Michael und Annie Lennox. Mit den Einnahmen des Konzerts und der Video-Veröffentlichung wurde im gleichen Jahr der Mercury Phoenix Trust gegründet, der sich seitdem weltweit für die Bekämpfung von AIDS einsetzt.

3. Nelson Mandela 70th Birthday Tribute Concert, 1988

Mehr als 600 Millionen Menschen weltweit verfolgten am 11.6.1988 das Konzert zu Ehren von Nelson Mandela an ihren Fernsehern. Der südafrikanische Politiker, der den Widerstand gegen das Apartheid-Regime in seinem Heimatland anführte, war zu diesem Zeitpunkt seit mehr als 27 Jahren inhaftiert. Wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag traten knapp 80 Musiker, Bands und Prominente im Londoner Wembley-Stadion vor 72.000 Zuschauern auf. Ihr Anliegen war es, ihre Solidarität mit Mandela zu bekunden und den internationalen Druck für eine baldige Freilassung zu erhöhen. Deshalb stand auch nicht das Einsammeln von Spenden im Vordergrund des Benefizkonzertes, sondern die politische Unterstützung der Anti-Apartheit-Bewegung in Südafrika.

Mehr als 11 Stunden dauerte die Show, bei der Musiker aus Großbritannien und den USA wie Sting, Phil Collins oder Stevie Wonder zusammen mit südafrikanischen Künstlern auf der Bühne standen. Das tribute concert war Teil einer weltweiten Bewegung zur Unterstützung Nelson Mandelas. Sie trug dazu bei, dass der internationale Druck auf Südafrika stärker wurde. 20 Monate später wurde Mandela aus dem Gefängnis entlassen. Besonders im Gedächtniss dieses Benefizkonzerts blieb bis heute der Auftritt von Tracy Chapman. Die zuvor noch völlig  unbekannten Singer-Songwriterin startete mit diesem Auftritt eine Weltkarriere.

4. Live 8, 2005

Dieses weltweit umspannende Rockkonzert fand am 2. Juli 2005 gleichzeitig an zehn Orten auf vier Kontinenten statt. Unter dem Motto „Make Poverty History“ initiierten Bob Geldorf und U2-Frontmann Bono zwanzig Jahre nach Live Aid diese Fortsetzung. Anlass war der G8-Gipfel im schottischen Gleneagles, wo über Schuldenerlass und die Aufstockung der Entwicklungshilfe für die ärmsten Staaten Afrikas diskutiert werden sollte. Besonderen Wert legten die Organisatoren auf die politische Botschaft: „Wir wollen nicht euer Geld, wir wollen eure Stimme!“

Das Benefiz-Konzert war ein Ereignis der Superlative. Knapp 170 Rock- und Pop-Stars spielten auf elf Bühnen, die Auftritte addierten sich zu insgesamt 50 Stunden Musik, und 140 Fernseh- und 400 Radiostationen übertrugen die Shows. Etwa 1,7 Millionen Menschen waren bei den Konzerten von London bis Philadelphia, von Berlin bis Moskau vor Ort. Neben Auftritten von vielen Bands und Sängern, die bereits 1985 bei Live Aid dabei waren, wie Sting, Duran Duran oder Neil Young, gab es Konzerte mit afrikanischen Künstlern in Südafrika und Cornwall. Die eingereichte Petition an die G8-Regierungschefs umfasste zum Schluss 24 Millionen Stimmen. Besonderes Highlight des Festivals war die Live-Reunion von Pink Floyd. Roger Waters, David Gilmour, Richard Wright und Nick Mason, die vier Mitglieder der klassischen Besetzung, standen an diesem Abend zum ersten Mal seit 24 Jahren wieder gemeinsam auf einer Bühne. Mit dem Wrights Tod 2008 war es leider auch das letzte Mal.

5. Konzert für Bangladesh, 1971

Das Konzert für Bangladesh im Jahr 1971 war das erste moderne Benefizkonzert und bewirkte eine weltweite Welle der Unterstützung. Den Hintergrund bildete die katastrophale Situation in Bangladesh, wo viele Menschen noch unter den Folgen des verheerenden Wirbelsturms im Jahr zuvor litten und sich Viele durch den Unabhängigkeitskrieg mit Pakistan auf der Flucht befanden. Der Ex-Beatles-Gitarrist George Harrison und der indische Musiker Ravi Shankar organisierten das Konzert, um die 10 Millionen nach Indien geflüchteten Bengalen finanziell zu unterstützen.

Insgesamt 40.000 Menschen sahen im New Yorker Madison Square Garden die beiden Shows, die am Nachmittag und Abend des 1. August 1971 stattfanden und bei denen u.a. Eric Clapton, Ringo Starr und Bob Dylan auftraten. George Harrison spielte den Song „Bangla Dash“, den er eigens für dieses riesige charity event komponiert hatte. Die beiden Veranstaltungen spielten knapp 250.000 US-Dollar ein, das anschließend veröffentliche Live-Album erbrachte innerhalb weniger Monate noch einmal 4 Millionen Dollar Unterstützung für UNICEF.

6. Concert for Diana, 2007

Zu Ehren ihrer verstorbenen Mutter initiierten die Prinzen William und Henry ein Benefizkonzert im neuen Wembley-Stadion von London. Am 1. Juli 2007, zwei Monate vor ihrem Todestag, erinnerten die beiden Söhne an das Leben der verstorbenen Lady Diana. Sie führten auch durch das umfangreiche Programm des tribute concerts, das 63.000 Menschen im Stadion und 500 Millionen Fernsehzuschauer weltweit verfolgten. Die beteiligten Künstler, zu denen Lieblingsmusiker sowohl von Diana als auch von ihren Söhnen gehörten, verzichteten auf ihre Gage. Sämtliche Erlöse kamen so verschiedenen wohltätigen Stiftungen zugute, die die karitative Arbeit von Diana fortsetzen.

Eröffnet und abgeschlossen wurde das Konzert von Elton John, der mit Diana eng befreundet gewesen war. Dazwischen spielten viele Größen der internationalen Rock- und Pop-Szene von Duran Duran, Nelly Furtado, Joss Stone, Tom Jones, Bryan Ferry bis Take That. Immer wieder erfolgten bewegende Worte von Prominenten wie Kiefer Sutherland, Dennis Hopper, Boris Becker oder David Beckham, die an persönliche Begegnungen mit Diana erinnerten. Der Abend endete mit einer Videomontage, in der Sequenzen aus Dianas Kindheit zu sehen waren. Die vorher noch nie gezeigten Filmausschnitte waren mit „These Are the Days of Our Lives“ von Queen unterlegt. Die Band gehörte zu den Lieblinsgruppen von Diana.

7. Live Earth, 2007

Am symbolischem Datum 07.07.07 fand „Live Earth“ statt, eine Reihe von weltweit miteinander verbundenen Benefiz-Konzerten. Der frühere US-Außenminister Al Gore, der nun als Umweltaktivist um den Globus tourte, hatte die Idee, mit Konzerten die globale Klimaerwärmung deutlicher in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Benefizkonzerte initiierte Gore zusammen mit dem Musikproduzenten Kevil Wall, der auf diese Weise Werbung für seine Klimaschutz-Allianz SOS (Save our Selves) machen wollte. Einen ganzen Tag lang spielten mehr als 150 Musiker auf 11 Bühnen, die sich auf allen sieben Kontinenten befanden. Dieses charity event verband Großstädte von Syndey über Schanghai, Hamburg, London, Washington, D.C., bis Rio de Janeiro. Der ungewöhnlichste Spielort war die Rothera-Forschungsstation in der Antarktis.

Auf den Bühnen gaben sich viele Stars des Rock und Pop ein Stelldichein: beispielsweise Razorlight, Snowpatrol, Black Eyed Peas, Metallica, Foo Fighters, Joss Stone, UB 40, Shakira oder Enrique Iglesisas. Da auch national bekannte Größen auftreten sollten, konnte man hierzulande Silbermond, Juli und Revolverheld sehen. Zwischendurch kamen bei Video-Botschaften prominente Schauspieler wie Jessica Biel, Cameron Diaz, Penelope Cruz oder Pierce Brosnan zu Wort. Für den guten Zweck spielten Bands und Interpreten nicht nur ohne Gage, ihre An- und Abreise sollte zudem klimaneutral erfolgen. So gab es diverse Maßnahmen, um den Kohlendioxid-Ausstoß der Flugzeuge auszugleichen.

8. 12-12-12: The Concert for Sandy Relief, 2012

Ende Oktober 2012 richtete der Hurrikan Sandy gewaltige Schäden in der Karibik und im Nordosten der USA an. Das „Concert for Sandy“ kurz vor Weihnachten sollte eine Antwort auf die Zerstörungen sein und Spenden zur Unterstützung in Not geratener Amerikaner sammeln. Die Erlöse des sechsstündigen Konzertmarathons im New Yorker Madison Square Garden gingen deshalb auch geschlossen an die Robin-Hood-Stiftung, die seit Jahrzehnten die Armut in New York bekämpft und dafür Basisarbeit mit vielen lokalen Organisationen und Projekten leistet.

Als Besetzung konnten viele Prominente aus Rock, Pop und Hiphop gewonnen werden. Neben Alica Keyes und Kayne West traten auch Bruce Springsteen, Eddie Vedder, The Who und The Rolling Stones auf. Das Konzert führte auch de verbliebenen Mitglieder von Nirvana (Dave Grohl, Krist Novoselic und Pat Smear) wieder zusammen, die am Ende der Show mit Paul McCartney einen neuen Song spielten. Wer keine Karte für den rasch ausverkauften Madison Square Garden bekam, konnte das Benefiz-Konzert von zuhause aus via Fernsehen, Radio und Internet-Stream verfolgen. Das Konzert fand übrigens nur deshalb kurzfristig im Madison-Square-Garden statt, weil das Eishockey-Spiel, das eigentlich angesetzt war, nach gescheiterte Tarifverhandlungen in der NHL gestrichen wurde.

9. Rock für den Frieden in der DDR, 1982-1987

Das bekannteste Musikfestival der DDR war „Rock für den Frieden“, das von 1982 bis 1987 einmal im Jahr in Ost-Berlin stattfand. Veranstaltet wurde es von mehreren staatlichen Institutionen wie dem Zentralrat der FDJ und dem Komitee für Unterhaltungskunst. Deshalb diente das Festival offiziell dem Frieden und der Völkerverständigung. Für viele Musikenthusiasten war „Rock für den Frieden“ aber der Höhepunkt des Jahres, da man hier zahlreiche bekannte Bands hintereinander hören konnte.

Die populären Bands sorgten auch für großen Zuspruch beim Publikum. Beim zweiten Festival 1984 spielten 39 Bands vor insgesamt 15.000 Fans, während bei der fünften Auflage 1986 schon 20.000 Zuschauer zu den 65 Bands kamen. So gut wie alle bekannten Ensembles der DDR wie City, Engerling, Karat, Pankow, die Puhdys oder Silly spielten auf der Bühne im Palast der Republik. Daneben durften immer wieder auch westdeutsche Interpreten wie Udo Lindenberg auftreten. Die Kölschrockband BAP sorgte 1984 für Aufsehen. Kurz vor der Show reisten die Musiker wieder ab, weil sie ihren politisch-kritischen Song „Deshalv spill’ mer he“ nicht spielen durften.

10. The Concert for New York City, 2001

Als am 20. Oktober 2001 das „Concert for New York City“ im Madison Square Garden stattfand, lagen die Terroranschläge vom 11. September erst wenige Wochen zurück. Das Benefizkonzert wurde von Paul McCartney organisiert, um Spenden zugunsten der Opfer und Hinterbliebenen zu sammeln. Es sollte aber auch eine Ehrung der Helden von 9/11 sein, der New Yorker Feuerwehr und Polizei. In mehreren Ansprachen machten Politiker wie Bürgermeister Rudy Guiliani und Gouverneur George Pataki den New Yorkern und allen Amerikanern wieder Mut. Zudem wurden mehrere Kurzfilme von New Yorker Filmemachern wie Martin Scorsese, Spike Lee oder Woody Allan eingespielt, die die Stärken und Schönheiten der Stadt zeigten.

Viele berühmte Künstler erklärten sich bereit, an dem Konzert mitzuwirken. So traten Mick Jagger und Keith Richards auf, außerdem David Bowie, Elton John, Eric Clapton, Bon Jovi, Jay-Z, Billy Joel und Kid Rock. Für einen besonderen Moment sorgten The Who, die die bis dahin gedämpfte Stimmung durch einen energiegeladenen Auftritt lösten. Das Benefizkonzert brachte mehr als 35 Millionen US-Dollar ein. Drei Jahre später bezeichnete der Rolling Stone die Show als einen der 50 Momente, die den Rock ’n‘ Roll veränderten.

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