NEEVE - Like a Piece of Art - Tour
Fr
06
Oktober / 2023
ab € 27

Musik wie diese bekommt man meistens in Promoschreiben angepriesen, auf denen die bekanntenNamen der drei großen Labels stehen. NEEVE aus Stuttgart spielen nämlich große, zugängliche Popmusikmit authentischenIndie Vibes, die sich jederzeit im Vorprogramm von Sam Fender oder The 1975behaupten könnte. Zwei Bands,die NEEVE übrigens selbst gerne als Inspiration nennen. Ihr Sound passtsehr gut in eine Zeit, in der die GiantRooks auf der ganzen Welt ihr Publikum vergrößern und dankTikTok auf einmal sogar Fans in Mexico haben.Man muss nur den Opener ?Piece Of Art? hören, um sichzu fragen, wie zum Henker NEEVE ihr Album ?Chaos OfMy Mind? fast komplett im Alleingangeingespielt, produziert, promotet und veröffentlicht habenkonnten: Esbeginnt mit einem amüsantenBob-Ross-Intro über einem verspielten Keyboard und dann kommen diesekristallklaren Gitarren, bevordie ganze Band einsetzt und Felix Neyboth mit seiner sehnenden, weichen Stimmedie ersten Zeilensingt. So einen Song hört man normalerweise eher auf Alben, die dann vonWarner/Sony/Universal zumletzten Mastering für teuer Geld noch einmalin die Abbey Road Studios gereichtwerden?und nicht aufeinem Debüt, dem man ruhigen Gewissen das ?DIY?-Siegel aufs Cover kleben könnte.Aber wer sagtdenn, dass DIY nur bei Hardcore-Aggressionen oder Rumpel-Punk funktioniert?Die großen Labels sindtatsächlich schon auf diese besondere Band aufmerksam geworden, aber dasklären wirspäter. Erst einmal ein paar Hardfacts, die vielleicht schon zeigen, dass dies Band besonders ist.NEEVE (bitteEnglisch aussprechen) erlauben zum Beispiel ein Namedropping der besonderen Art. Undwir wissen ja alle, dasseine Bandbiografie wie diese nicht ohne auskommen darf. Unter einem gewissenBlickwinkel sind NEEVE einwenig wie The National, lange nicht so toxisch wie Oasis, ähnlich verstricktwie die Kings of Leon und dasDoppelte der Kinks. Bevor jetzt aber jemand das Referenzkarussell anwirftund sich ausmalt, wie zum Henker dasdenn klingen würde, hier ein paar aufklärende Worte: NEEVE sindmit ihrem charismatischen Indie-und PopSound schon sehr eigenständigunterwegs?das Besondere ander 2018 gegründeten Band ist, dass sie wie alldie zuvor genannten Acts, familiär eng verwachsen istund gleich aus zwei Brüderpaaren besteht, die zudem alsCousins verbunden sind: Felix Seyboth (Gesang,Drums) und Axel Seyboth (Produktion, Piaon, Gitarre) undMarius Spohrer (Gitarre) und Philipp Spohrer(Bass). ?Wir haben das erst gar nicht als so besonders oderbesonders wichtig empfunden?, erzählt Felix,?wurden dann aber immer wieder drauf angesprochen. DiesesFamiliäre sorgt einerseits dafür, dass dusehr ehrlich und direkt bist. Wir kennen uns das ganze Leben lang,sehen uns drei bis viermal die Woche,haben schon als Kinder Musik gemacht, sind mit ähnlichen Lieblingsbandsaufgewachsen. Musik ist füruns alle etwassehr Persönliches.Es geht um Emotionen, Wahrnehmungen, Gefühleund Reflexion?das schweißt uns extrem zusammen,macht es aber auch sehr sensibel.? Der Bandname NEEVEsei deshalb auch als ?gemeinsamer, fiktiverFamilienname? zu verstehen, den man sich2018 zulegte. Keineschlechte Wahl: Denn das Wort klingtrund, macht sich in der richtigen Typo gut auf Shirts und Jutebeuteln, undder Wortursprung geht auf dasaltfranzösische Wort ?neveu??übersetzt: ?Neffe??zurück.Der zweite Song des Albums fängt diese ?sensiblen? Momente zwischen zwei hochkreativen Brüdernsehr schönein.?This Got Me Staying?heißt er und ist quasi ein Zwiegespräch zwischen dem älterenBruder (Felix) und demjüngeren (Axel): ?Just tell me about it / are you done with mocking me? / Ah, youtry to be rude / but it?snotabout you / can?t you see??, singt Felix darin am Anfang.Die Musik dazu klingtein wenigals hätte es einbritisches Indie-Königstreffen zwischen The 1975 und den Glass Animalsgegeben?unter der künstlerischenLeitung von Robert Smith. Felix ist der ältere der beiden Brüder, dieStimme, der Texter und ein wenig auch dasGesicht der Band,Axel wiederum produziert die Musik vonNEEVE und hat sich inzwischen Skills draufgeschafft,die jedes Demo schon so wuchtig klingen lassen,wie es manchmal nicht mal teuer einzukaufendeProduzent:innen hinkriegen. ?You Got Me Staying?funktioniert dabeiaber auch als klassischer Love-Song. ?Michreizt am Songwriting, doppeldeutig undanschlussfähig zu bleiben. Ich verarbeite schon sehr persönliche Dinge,versuche aber immer, sie so zutexten, dass sich andere mit ihren eigenen Erfahrungen einfühlen können.?Und das können inzwischen sehr viele Menschen: Denn NEEVE mögen Musik spielen und schreiben, dieauch aufsehr großen Bühnen funktionieren würde, aber sie sind auf eine Weise nahbar, die nicht vieleBands schaffen.Was dann über Bande gespielt wieder zu der Einstiegsfrage führt, warum sie gerade denAlleingang mit einemengen Kreis an Vertrauten wagen. NEEVE waren durch die Pandemie wie vieleNewcomer:innen ausgebremst undkonnten sich nicht da behaupten, wo sie ebenfalls eine sehr guteFigur machen: auf der Bühne. Also suchten sieihr Publikum auf ihre Weise, erst über Instagram und dannimmer erfolgreicher über TikTok: Dort haben sieinzwischen knapp 300.000 Follower:innen und 3Millionen Likes gesammelt. Einer ihrer letzten Posts war zumBeispiel ein kurzes Live-Video von ihnen, indem auf einmal eine junge Frau begeistert aufkreischt, und dazu dasWording: ?POV: Du suchst nachdeiner neuen Lieblingsband, die Konzerte für nur 20 Euro Eintritt in deiner Stadtspielt, ein wenig wie dieKooksaussieht, aber ein bisschen mehr den Harry Styles-Style hat und dabei klingt wieeine sommerlicheVersion von The 1975 und The Neighborhood?Here we go! We are on your FYP and this isyour sign tofollow us.?NEEVE geben auf TikTok dezent ironisch Einblicke in den Struggle eines Newcomeracts,machen Live-Talks zum Thema Mental Health, kopieren TikTok-Trends mit ihrem eigenen Twist,verlinken sichmit Bands, die sie verehren?und sie haben einen erstaunlichen Output, der dann eben vonTikTok entsprechendbelohnt wird. Felix gibt zu, dass die Idee erst ?aus Verzweiflung heraus entstandenist, weil es bei Instagramimmer schwerer wurde, gesehen zu werden.? Aber dann habe bei TikTok nachund nach mehr gezündet?undvor allem: Die Leute sprangen auf ihre Musik an.Ein Clip mit einem Snippet aus ?Where I Wanna Be Found? zumBeispiel ging durch die Decke?undplötzlich knackten auch die Spotify Streams die Millionengrenze. Wobei sichhier schon ein interessanterFaktzeigt: Die mit Abstand meisten Hörer:innen haben NEEVE in den USA. Dannkommt Deutschland,dann UK, dann Mexiko.Ein Themenaspekt, der oft auftaucht in ihrer Musik und ihren TikToks ist der offene Umgang mit Mental-HealthThemen: Der Clip, der so durch die Decke ging, hatte nämlich das Wording: ?When you?re in aband with yourbrother and your two cousins and you desperately try to reach the right audience withIndie-Pop music aboutmental health and toxic masculinity.?Die Band habe Felix immer dabei unterstützt,Themen wie diese in ihreMusik einzubringen, erzählt er. ?Ich bin ein Mensch, der Bestätigung brauchtund meine erste Anlaufstelle sindnun mal die Jungs. Als ich die ersten Texte über meine ADHS-Diagnoseoder meine Panikattacken schrieb, habenwir sehr intensiv darüber gesprochen. Ich weiß einfach, dass siemich am ehesten verstehen. Es ging aber auchdarum, wie ein Satz wirkt, ob man einen Zugang hat, wennman nicht davon betroffen ist und solche Fragen.Irgendwie war es mir ein Anliegen,darüber zu singen.Warum soll ich mir Themen aus den Fingern saugen oderStories erfinden oder aufFriede, Freude,Eierkuchen machen, wenn es das ist, was in meinem Leben vorgeht??Das Album hieße schon ?Chaos OfMy Mind? weil er eben versuche, diese Chaos durch diese Songs zu verarbeiten,verstehen und zureflektieren. Felix schreibt aber auch sehr berührende Texte über andere Menschen, die ihmnahestehen.?Pieces That She Broke? zum Beispiel ist ein Lied über eine Freundin und ihren Kampf mitEssstörungen.?Go On Then? wiederum reflektiert eine Beziehung, die auf der Stelle tritt und versucht mit einemmajestätischen Gitarrenpart im Refrain aus dem Stillstand auszubrechen.Über TikTok und über Instagram erreichen Felix wegen solcher Songs zahlreicheNachrichten?die vonder Bandübrigens alle beantwortet werden. Und damit sind wir bei einem weiteren Geheimnis ihresschon recht gutmessbaren Erfolgs: Commitment. Felix erzählt: ?Wir waren letztens bei einem großenLabel, die uns signenwollen. Da saßen ein Dutzend Leute, man applaudierte unseren Songs und wirhatten schon kurz so dieses kleineTriumph-Gefühl von: ?Wir Dullis, die mit 15 und 16 Mucke gemachthaben, werden jetzt auf einmal hofiert?.? Aberdann sei ihnen noch einmal klar geworden: ?Wir haben unsselbst in diese Position gebracht. ?Where I Wanna BeFound? haben wir schon vor zwei Jahren als Demorumgeschickt. Da hieß es dann, unser Sound zwischen Indieund Britpop sei gerade nicht gewünscht undüberhaupt, wollten wir nicht lieber aufDeutsch singen?? Mit diesemAlbum habe sich die Band also auchselbst einen ersten Meilenstein gesetzt: ?Wir haben uns den Release-Druckgemacht. Wir waren das. Wirhaben unsere Leidenschaft und unsere Lust auf diese Musik zu einer kleinenMaschineriegemacht, diesehr gut funktioniert.? Deshalb wolle man zumindest dieses Album noch selbstherausbringen, obwohl esAngebote gab. ?Wir wollten nicht diese Basis verlieren. Das klingt vielleicht ein wenigcheesy, aber diesesCommitment bei allen von uns ist das Herz dieser Band. Deshalb sind wir da, wo wir sind.Weil wir ausder Not gedrungen alles selbst machen mussten, aber immer ein Ziel vor Augen hatten, sind wir jetztsoautarkwie wir sind: Der einemacht Grafiken, der andere hockt sich an 40-Grad-Sommertagen ins Studioundmixt wie verrückt, einer sitzt zuhause und macht 50 Tiktoks die Woche, einer macht Werbeanzeigen,wir printenunser Merch selbst und ich schreibe noch immer allen Leuten, die mir schreiben.? Man sehezwar auch, dassirgendwann der Punkt kommt, wo man nicht mehr alles schafft, aber: ?Das Album ist eineguteZusammenfassung von dem was bisher passiert ist. Von den Lyrics, von der DIY-Art, von allem. Undich finde esganz cool, zusagen: Das erste Album machen wir jetzt selbst und dann kann man sich immernoch entscheiden,ob man das größer spielt. Ich finde es interessant, das selbst zu stemmen.?Es ist NEEVE natürlich zu wünschen, dass ihre Karriere bald so in Fahrt kommt, dasssie das alles nichtmehralleine wuppen können?weil noch mehr Menschen auf der ganzen Welt diese zwölf Lieder liebenlernen oderihre mitreißenden Shows sehen, bei denen man schnell feststellt, dass die vier auch so gutaussehen, wie sieklingen. AberTikTok hin oder her: Für einen nachhaltigen Erfolg-egal in welcherKampfklasse-braucht esimmer noch Songs, die dieser Aufgabe gewachsen sind.?Chaos Of My Mind?hat genau diese.Neben den bereitsgenannten und hier recht hymnisch besungenen, gibt es zum Beispielauch noch die wirklich sehr Harry-Stylesstylische Ballade ?I?m So Cold?, das mit Suede-Grandezzaerklingende ?You & Me? aus dem auch der Albumtitelstammt oder den wunderbaren Closer ?Why NotMyself? mit einer Gitarre zum Niederknien und einem Felix, derhier mal ein wenig tiefer und langsamersingt, was auf den letzten Minuten noch einmal eine ganz andere Weltaufmacht. Felix blickt zurecht miteinem gewissen Stolz auf ?Chaos Of My Mind?: ?Ich mag diese 12 Songs sehr.Es gibt einige, diefürunseren zukünftigen Sound stehen, wie ?Green? zum Beispiel. Da mag ich die Metapher, denSound undauch die Tatsache, dass ich in den Lyrics mit mir hart ins Gericht gehen. Ich mag, dass unser Albumdancyist, obwohl es auf Bandsound und Gitarre undDrums setzt. Und ich mag es, wie wir diesen Indie PopVibemitnehmen, aber auch ein paar Balladen haben.? Tatsächlich sind damit alle Facetten dieserspannenden jungenBand auf ?Chaos Of My Mind? sehr gut eingefangen?und sie zeigen ein Potential,dasman auf einem Debüt indem Maße selten findet.Daniel Koch (DIFFUS Magazin, Musikexpress)

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